Neue KBV-Kampagne soll junge Ärzte für die Praxis begeistern
Montag, 19. Januar 2026
„Lass dich nieder in Praxenland“ Die neue KBV-Kampagne zeigt echte Haus- und Fachärztinnen und -ärzte – und wirbt mit „Lass dich nieder in Praxenland“ um die nächste Generation.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will mehr junge Medizinerinnen und Mediziner für die ambulante Versorgung gewinnen. Gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) startet sie eine neue Phase der Praxenland-Kampagne – diesmal unter dem Motto „Lass dich nieder in Praxenland“. Die zentrale Botschaft: Die Niederlassung bietet Sinn und Perspektive, scheitert aber immer häufiger an schlechten Rahmenbedingungen.

„Die Arbeit in der eigenen Praxis ist mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung“, betonte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen zum Start der neuen Kampagnenphase am Montag. Mit dem Claim „Lass dich nieder in Praxenland“ richtet sich die Initiative gezielt an den ärztlichen Nachwuchs. Ziel sei es, das Bild des Praxisalltags jenseits von Klischees und Überforderung zu zeigen und damit neue Perspektiven zu eröffnen. Dass der Beruf erfüllend sei, stehe außer Frage: „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten für ihr Leben gern in der Niederlassung und sie tun das mit viel Herzblut“, unterstrich Gassen. Doch ohne grundlegende Veränderungen drohe dieses Engagement zu versanden.

Er verwies dabei auf massive Finanzierungslücken: Allein im Jahr 2024 hätten vertragsärztliche Praxen Leistungen im Wert von rund 2,7 Milliarden Euro erbracht, ohne dafür eine Vergütung zu erhalten. Hinzu kämen jährlich über 40 Millionen Termine im fachärztlichen Bereich, die unbezahlt blieben. „Das kann so nicht weitergehen“, warnte der KBV-Vorstandsvorsitzende und rief zu mehr Wertschätzung auf: „Mit dieser Kampagne werben wir deshalb nicht nur für den Erhalt der ambulanten Versorgung, sondern auch für die Wertschätzung, die sie verdient.“

Auch Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, schlug warnende Töne an. Etwa 5.000 Hausarztsitze seien bundesweit unbesetzt, die anstehenden Ruhestandswellen der Babyboomer-Generation würden die Lage weiter verschärfen. Aus Hofmeisters Sicht braucht es deshalb strukturelle Reformen: „Bürokratische Hürden müssen schleunigst abgebaut werden.“ Gleichzeitig unterstrich er die gesellschaftliche Relevanz: „Wer sich niederlässt, arbeitet mit Herz und hat die Chance, Menschen über Jahre zu begleiten. Diese Nähe zeigt, warum die Praxis vor Ort so eminent wichtig ist. Ohne sie ist auch der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend gefährdet.“

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner betonte, dass die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten zwar ein starker Antrieb sei, sie jedoch nicht mehr reiche. „Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen bessere Rahmenbedingungen wie weniger Bürokratie, die Abschaffung sinnloser Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine verlässliche Digitalisierung“, sagte sie.

Die KBV-Kampagne stellt Ärztinnen und Ärzte in den Mittelpunkt, die den Praxisalltag prägen. Fünf Haus- und Fachärztinnen und -ärzte aus unterschiedlichen Regionen zeigen in Bildmotiven und kurzen Statements, was sie motiviert. Die Kampagne läuft nach KBV-Angaben multimedial über Social Media, Streamingdienste, digitale Formate und als Außenwerbung unter anderem im Regierungsviertel in Berlin sowie an Klinikstandorten. Anfang März will die KBV einen Kampagnenfilm mit einer beispielhaften Gründungsgeschichte aus der Versorgungspraxis veröffentlichen.

Mehr zur Kampagne unter www.praxenland.de und www.lass-dich-nieder.de